Konick Mormelli

Titel
Konick Mormelli
Identifikator
Legende Konick Mormelli 9 8
Schlagwörter
Handel
Regierungsform
Ressourcen
Handschrift
Bastarda
Original
Erhaltungszustand
Lesbar
Farbe
Rot
Moderne Lesung
Text
ko~nick Mormelli zeitgenössische Bezeichnung für den Herrscher des Reiches Melli [Mali] bei dess~e ko~nick wechst dasz golt dz der koninck v~a portogal lest holen
Historische Lesung
Text
Konick Mormelli . bei deſſen Konick wechſt das golt das der Koningk von | portogal leſſet holen .
Text
konick Mormelli bei deſſen konick | wechſt das gold das der konick von | portogal leſſet holen .
Text
König Mormelli bei deſſen | König wächst das | Gold der König in | Portugal läſt | holen
Text
konik mormelli bei dessen konik wechst das golt , dz der koninck vo*n portogal lest holen
Text
Ko_nick Mormelli . bei deſſen | Ko_nick vvechſt das golt das der Koningk | von portogal leſſet holen .
Text
konik Mormelli bei deſſe konik | wechſt das golt daſ der konik von | portugal laſt holen .
Text
kunik von [ nubia ?]
Kommentar
Diese Legende enthält - im Gegensatz zu der dazugehörenden Miniatur - ausnahmslos richtige Informationen. Der Name Mormelli bzw. Bormelli steht für den König des Reiches Melli [Mali], das sich im 14. Jahrhundert vom Atlantik bis in den Niger-Bogen erstreckte. Bereits der Katalanische Weltatlas rühmt den Goldreichtum dieses Regenten. Erwähnt ist der Herrscher auch im Reisebericht des Seefahrers Diogo Gomes, der Martin Behaim als Quelle für den Globus diente. Die Vorstellung vom Reichtum des Melli-Königs hat ihre Tradition in der Pilgerfahrt des Mali-Herrschers Mansu Musa 1324 nach Mekka, auf der dieser das Gold regelrecht verschenkt haben soll. Reichtum und Macht seines Landes begründeten sich vorwiegend auf den Handel mit Gold, vor allem in den zum Reich gehörenden Handelszentren Timbuktu, Walata und Gao. Diese Macht hatte ihren Zenit im 15. Jahrhundert jedoch bereits überschritten, tributpflichtige Nachbarvölker entzogen sich dem Zugriff des islamischen Großreiches. Überhaupt hat das Gold nach neueren Forschungen nur im 13. und 14. Jahrhundert eine derart bedeutende Rolle gespielt, wie sie dem Edelmetall in nahezu allen Reiseberichten der Zeit zugeschrieben wird - indes, der Faszination und Phantasie tat dies keinen Abbruch. Die Portugiesen schalteten sich denn auch recht schnell in das weitgestrickte Handelsnetz Nordafrikas ein. Sie erlangten zwar nicht das angestrebte Monopol, aber von Anfang an war das Gold eines der wichtigsten Exportgüter, die von den beiden frühen Handelsfestungen auf afrikanischem Boden, Arguim und Sao Jorge da Mina, auf den Weg nach Europa geschickt wurden. Die Aussage, dass der König von Portugal das Gold von Mormelli hole, ist eher sinngemäß zu verstehen. Im 15. Jahrhundert gab der König die Erlaubnis für Handels- und Entdeckungsfahrten, stellte zuweilen sogar die Ausrüstung, beanspruchte dafür aber einen Teil der mitgebrachten Ware.